Finanzmarkt-Navigator 3. Quartal 2023

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Inhalt
Kapitel I: Zinsen, Inflation und Geldmenge
Kapitel I.1 Zinsen und inflation
Leitzins USA

Leitzins Euroland

Trotz gefallener Inflationsraten, sowohl in Euroland als auch den USA, haben die FED und EZB ihren Leitzins weiter angehoben, wobei in den USA die letzten Zinsschritte kleiner ausfielen als bei der EZB. Somit liegen die Leitzinsen absolut gesehen in den USA immer noch oberhalb der Zinsen in Euroland. Historisch gesehen befinden sich die Leitzinsen aktuell ungefähr auf dem gleichen Niveau wie vor der Finanzkrise von 2007/2008. Nach den Aussagen von FED und EZB wird erwartet, dass das Zinsniveau bald ausreichend hoch ist um die Inflation dem angestrebten Zielwert von 2% sukzessive näher zu bringen. Sollte der derweil disinflationäre Trend nicht gebrochen werden, wird vom Markt davon ausgegangen, dass es bis Ende des laufenden Jahres maximal noch eine (kleine) Zinserhöhung geben wird.
Entgegen der Bewegung der Leitzinsen sind auch die Preise für 10 jährige US Staatsanleihen weiter gefallen und befinden sich aktuell unter den Tiefstständen von Q4/2022, jedoch im Vergleich zu den Leitzinsen noch leicht oberhalb der Tiefststände vor der Finanzkrise von 2007/2008. Ein Test dieses Niveaus das bei 105 liegt wäre vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Der Trend fallender Anleihepreise bzw. steigender Renditen im langfristigen Laufzeitsegment hält bis dato folglich an. Die gestiegenen Zinsen am kurzen Ende der Kurve werden nun auch in den Anleihemärkten längerer Laufzeiten eingepreist womit die Erwartung verbunden ist, dass die gestiegenen Zinsen sich auch mittel-/ bis langfristig manifestieren werden. Begründen lässt sich der Abverkauf an den Anleihenmärkten u.a. auch mit dem gestiegenen Kontrahentenrisiko, da der Verschuldungsgrad der Staaten auf sehr hohem Niveau sich befindet und die gestiegene Zinslast langsam durchschlägt bei der Refinanzierung auslaufender Schulden und Einfluss auf die Bonität nimmt (Ausfallrisiko). Die höhere Zinslast muss finanziert werden was entweder mit neuen Schulden geschehen wird oder mit einer Umverteilung im Staatshaushalt was wiederum andere Einschränkungen zur Folge hat.
Die Zinsdifferenz zwischen 2- und 10 jährigen US Staatsanleihen konnte seit der anhaltenden Invertierung ab Juni 2022 (2 jährige Renditen > 10 jährige Renditen) erstmals eine Gegenbewegung verzeichnen. Zwar ist die Kurve immer noch invertiert aber es scheint, dass die Markteilnehmer den Fokus auf die Aussage der FED legen, welche die Zinsen generell auf dem erhöhten Niveau für längere Zeit sieht: “higher for longer”. Auch ist die Erwartung nach wie vor, dass auf die Invertierung (als Vorboten) eine Rezession folgt, welche bislang aber in den USA (noch) ausgeblieben ist. Betrachtet man die Historie des Charts setzt eine Rezession meist erst dann ein wenn die Invertierung bereits neutralisiert wurde (die 0% Linie durchschreitet) bzw. die Kurve sich normalisiert hat, d.h. “in contango” sich befindet (Langfristzins > Kurzfristzins). Wann das der Fall ist, ist nicht verlässlich abzusehen oder gar zu prognostizieren. Sicher ist nur, dass ein solches Ereignis (Re-invertierung) noch vor uns liegt und zuletzt eine Bewegung in diese Richtung eingesetzt hat.
Zinsstrukturkurve DE und USA

Quelle: https://www.tagesgeldvergleich.net/statistiken/zinsstrukturkurven.html
Während die Konjunktur in den USA seit Mitte 2022 relativ stark ist (trotz gestiegener Zinsen) kündigt die Zinsstruktur in den USA und DE einen Höhepunkt der Leitzinsen für Q1 bzw. Q2/2024 an. Seit dem letzten Quartal ist es auffällig, dass beide Zinskurven (USA und DE) sich abflachen und das allgemeine Zinsniveau leicht steigern konnten. Es deutet sich somit wie auch zuvor beschrieben eine potentielle Wendung der bis dato invertierten Kurve an, was zum einen daran liegt, dass der Höhepunkt der Leitzinsen fast erreicht ist und gleichzeitig der Markt die neue Realität höherer Zinsen und deren Auswirkung auf die Bonität einzelner Schuldner gelegt hat (insbesondere im langfristigen Anleihesegment). In Deutschland sieht es entgegen der USA mit der Konjunktur weiter schlecht aus relativ und absolut betrachtet. So liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Wachstum bei ca. 0% zuletzt, was eine Stagnation und zugleich Stagflation bedeutet sowohl in Deutschland als auch in der gesamten Eurozone wo das Bild ganz ähnlich ist.
| September 2023 | Leitzins | Konsumenteninflation (CPI) | Produzenteninflation | Kerninflation | Realzins (Leitzins – CPI) |
| Euroland | 4,50% | 4,30% | -11,50% | 4,50% | 0,20% |
| USA | 5,50% | 3,70% | 2,20% | 4,10% | 1,80% |
Wichtiger Hinweis: Die Inflationszahlen können nachträglich von den veröffentlichenden Stellen korrigiert werden.
Bei einem direkten Vergleich der beiden Währungsräume fällt auf, dass die Realzinsen in den USA deutlich attraktiver sind als in Euroland. Zwar liegen die Realzinsen in Euroland nicht mehr im negativen Bereich jedoch immer noch bei knapp 0%. In den USA wird nach Inflation Geld verdient mit einer Festzinsanlage, was die USA als Währungsraum wesentlich interessanter macht (nicht zur relativ sondern auch absolut). Auffällig ist zudem die hohe Deflation der Produzentenpreise in der Eurozone. Hier deuten sich bereits weitere disinflationäre Preistendenzen auch für die Konsumenten an, da die Produzenteninflation tendenziell ein Vorläufer ist. Anders zeigt sich die Lage in den USA wo die Konsumenten-/ und Produzenteninflation in den letzten Monaten bereits wieder leicht angestiegen ist. Lediglich die Kerninflation konnte in den USA weiter abnehmen und den Trend fortsetzen. Das Inflationsgesamtbild ist daher bei einer Detailbetrachtung divergierend in den beiden Währungsräumen was somit auch die höheren Leitzinsen in den USA rechtfertigen kann.
Euroland Konsumenteninflation (09/23 = 4,3%)

US Konsumenteninflation (09/23 = 3,70%)

Euroland Produzenteninflation (08/23 =-11,50%)

US Produzenteninflation (09/23 = 2,2%)

Euroland Kerninflation (09/23 = 4,5%)

US Kerninflation (09/23 = 4,1%)

Während die Kerninflation, auf welche die Zentralbank grundsätzlich Ihren Hauptfokus legt, sowohl in Euroland als auch den USA nachhaltig zurückgeht kam es in den letzten Monaten zu einer Divergenz bei den Konsumenten-/ und Produzentenpreisen. In Euroland fallen beide Preise nachhaltig und sind sogar im Hinblick auf die Produzentenpreise in einer Deflation. Gleichzeitig sind in den USA entgegen dem Euroland seit Juni 2022 die Konsumentenpreise wieder etwas angestiegen was u.a. auch mit der stärkeren Konjunktur in den USA verbunden ist. Gleichzeitig haben die USA nach wie vor einen sehr robusten Arbeitsmarkt (die Langzeitarbeitslosenrate z.B. liegt nahe 0%) was die FED u.a. zu der Aussage bewogen hat die Leitzinsen länger hoch zu halten (“higher for longer”).
Kapitel I.2 Geldmenge
Geldmenge M1 bis M3 in der Eurozone

Geldmenge M1 bis M2 in den USA

Während alle Geldmengenaggregate in der EU weiter abnehmen ist zu beobachten dass M1 am meisten abnimmt. M1 beinhaltet den Bargeldumlauf sowie täglich fällige Einlagen (z.B. Girokonten) während M2 auch Spareinlagen und Termineinlagen umfasst. Da die Banken die Zinsen für Festgelder angehoben haben ist es nicht verwunderlich dass eine Umschichtung von M1 zu M2 erfolgt da unverzinste Girokonten im direkten Vergleich aktuell wenig attraktiv sind. In den USA ist M2 sogar leicht angestiegen da auch die Banken auf das neue Zinsumfeld schneller reagiert haben als in der Eurozone.
Kapitel II: Kredit und Immobilien
Kreditrisikoaufschläge von hochverzinslichen US-Anleihen

Im Vergleich zum letzten Quartal hat sich bei den impliziten Kreditrisikoaufschläge für hochverzinsliche US-Unternehmensanleihen wenig geändert. Diese notieren in einer Range bei ca. 4-5%.
Kreditzinsen in Deutschland (kurz-/ mittelfristige Betrachtung)

Die Zinsen für Hypothekenkredite mit einer Laufzeit von 10 Jahren befinden sich seit Oktober 2022 verharrend auf einem Niveau von ca. 4% trotz gestiegener Leitzinsen. Dieses Zinsniveau bleibt zumindest konstant. Hier deutet sich an, dass die Käufer von Immobilien mit der Finanzierung sich aktuell schwer tun, da die Finanzierungskosten einen Großteil der monatlichen Ausgaben ausmachen. Es bleibt weiter abzuwarten wann sich hier für Investoren ein attraktives Verhältnis zwischen Kaufpreis, Miete und Finanzierungskosten ergibt. Derweil steigen die Mieten an während die Kaufpreise fallen. Durch diesen Marktprozess wird es irgendwann zu einem Preisniveau kommen wo verstärkt Käufer wieder auf den Immobilienmarkt kommen und dann auch mehr Kredite nachfragen werden.
Sollten von Seiten der Banken die Hypothekenzinsen gesenkt werden, würde sich der Prozess beschleunigen und der Immobilienmarkt noch schneller wieder Schwung aufnehmen. Allerdings deutet sich hier noch keine Wende an, da wie oben beschrieben für langfristige Zinsen eine zunehmende Risikoprämie verlangt wird was auch den Banken nicht entgeht. Bei Raten-/ und Dispokrediten hat der Trend steigender Zinsen zeitversetzt eingesetzt.
S&P Case-Shiller Home Price Index

Im Gegensatz zum Immobilienmarkt in Deutschland bewegt sich der Immobilienmarkt in den USA bereits wieder nach oben und befindet sich aktuell auf Höchstständen gemessen am S&P Case-Shiller Preis Index. Trotzdem das Zinsniveau für Neukredite in den USA über dem Zinsniveau in Deutschland liegt scheinen sich die Käufer nicht die Laune verderben zu lassen was die Preise weiter ansteigen lässt. So liegen z.B. die Kredite für Hauskäufer für 30 Jahre Festlaufzeit bei fast 8% während im gleichen Laufzeitsegment in Deutschland das Zinsniveau bei ca. 5% liegt. Die steigenden Preise beziehen sich auf privaten Wohnraum wo das Angebot aktuell knapp gehalten ist, da diejenigen Käufer die noch zu niedrigen Zinsen sich langfristig verschuldet haben ihre Häuser nicht verkaufen möchten, um von den niedrigen Zinsen der Vergangenheit möglichst lange profitieren zu können – welche sie folglich in diesem Umfeld behalten möchten.
Ein anderes Bild ergibt sich auf dem Markt für Gewerbeimmobilien in den USA, wo es bereits Leerstand gibt und erwartet wird, dass es zu weiteren signifikanten Preisabschlägen in der Zukunft kommt. Diverse große US Banken haben hier teilweise bereits Abschreibungen vorgenommen von bis zu 50%. Sollte es hier zu tatsächlichen Zahlungsausfällen kommen bei Gewerbeimmobilien wären u.a. die Regionalbanken in den USA davon sehr betroffen, welche neben den gestiegenen (eigenen) Refinanzierungskosten auch dann mit der Verwertung von möglicherweise verlustbringenden Gewerbeimmobilien konfrontiert wären, was wiederum zu Abschreibungen und Zahlungsausfällen führen könnte. Eine Spirale die aktuell noch nicht in Gang ist aber von Markteilnehmern erwartet wird und entsprechend auch in den Marktpreisen zumindest partiell eingepreist ist. Ein fortschreitender Marktbereinigungsprozess hätte eine weitere Konsolidierung des US Bankensektors zur Folge, wo Rettungen (einmal wieder) nicht ausbleiben dürften (evtl. auch unterstützt durch die Politik und Zentralbank).
Kapitel III: Aktien
Kapitel III.1 Indexes
HangSeng 50 Index

Der HangSeng 50 Index zeigt über die vergangen Monate relative Schwäche, erkennbar am RSI Index der einen Abwärtstrend (bei einem Wert von aktuell ca. 40) andeutet (<50 bedeutet Abwärtstrend und >50 Aufwärtstrend). Ein Wert von <30 deutet auf einen überverkauften Markt hin, während ein Wert von >70 auf einen überkauften Markt hindeutet. Soche zwei Extreme liegen aktuell nicht vor.
Nikkei 225 Index

Der Nikkei Index befindet sich weiter in einem klaren Aufwärtstrend der seit 2013 anhält. Sowohl notiert der Index überhalb der 200-Tage Linie als auch der RSI sich nachhaltig über einem Wert von 50 befindet. Aktuell liegt der Index bei ca. 60/65, was noch unterhalb eines überkauften Marktes (> 70) liegt. Die relative Stärke des Nikkei liegt u.a. am historisch sehr niedrigen Yen Wechselkursniveau, was die Exporte der japanischen Unternehmen begünstigt. Ebenso ist auch die Zentralbank (BOJ) weiter expansiv eingestellt. Auch wird Japan von einigen Marktteilnehmern als konservative Alternative zu China betrachtet wer allgemein im asiatischen Raum investiert sein möchte.
DAX 40 Index

Analog zum Nikkei befindet sich auch der DAX in einem nachhaltigen und langfristigen Aufwärtstrend, wobei die relative Stärke weniger ausgeprägt ist als im Nikkei. Aktuell korrigiert der Index seit Anfang August diesen Jahres und steht derweil knapp unter den Höchstständen. Bei einem Relative Strength Index (RSI) Wert von knapp über 50 befindet sich der DAX 40 (noch) im grünen Bereich was trotz Abwärtskorrektur der letzten 2 Monate den Aufwärtstrend bestätigt.
NASDAQ 100 Index

Analog zum Nikkei und DAX 40 befindet sich auch der NASDAQ 100 in einem nachhaltigen und langfristigen Aufwärtstrend, wobei die relative stärke (RSI) ähnlich ausgeprägt ist wie im Nikkei. Aktuell korrigiert der NASDAQ analog zu den anderen genannten Aktienindizes was u.a. saisonal bedingt ist da historisch die Sommermonate bis September tendenziell wenig Aktivität zeigen und von der kurzfristigen Trendausrichtung in der Regel mit fallenden Kursen verbunden sind (insbesondere wenn zuvor starke Anstiege verzeichnet wurden). Die relative Stärke ist trotz aktueller Korrektur (die möglicherweise Anfang Oktober gestoppt wurde) im grünen Bereich und das konsistent seit Anfang des Jahres 2023. Die aktuelle Korrektur ging einher mit einer zunehmenden relativen Stärke über 3 Monate (Mai bis Juli) die sich bis Ende September entladen hat und aktuell auf einem Niveau über 50 liegt. Aktuell steht die relative Stärke wieder bei 58 womit man die jüngste Korrektur als technische Korrektur bezeichnen kann, die möglicherweise abgeschlossen ist. Insofern könnte sich der ansteigende Trend im Oktober und November fortsetzen.
S&P 500 Index

Es bleibt weiterhin festzustellen, dass bei einer Detailanalyse die Performance der US Indizes von wenigen Unternehmen dominiert wird (z.B. beim S&P 500). Nur ca. 10 Unternehmen sind hier im wesentlichen verantwortlich für die Kursanstiege, während die restlichen 490 Unternehmen im Durchschnitt in diesem Jahr eher schwach bis neutral sich entwickelt haben und einige sogar auf 52 Wochen Tiefstständen notieren. Die Big Tech Schwergewichte wie Apple, Microsoft, Google, Meta, Nvidia, Amazon, Tesla, Adobe etc.) sind hier für die positive Performance des breit angelegten S&P 500 Index weiterhin hauptverantwortlich, was fundamental mit einem nachhaltigen Wachstum, Innovation, Marktdominanz und Profitabilität dieser globalen Tech Schwergewichte verbunden ist.
Mit Ausnahme des Hang Seng 50 Index (wie auch im allgemeinen anderen chinesischen Aktienindizes) zeigen alle anderen großen Aktienindizes (s. Deutschland, Japan und die USA) weiterhin einen langfristig aufwärtsgerichteten Trend (Preise>200 Tage Line seit ca. 10-15 Jahren und einem RSI mit neutraler bis aufwärtsgerichteter Positionierung bei ca. 50/65).
Kapitel III.2 bewertungsIndikatoren
Shiller KGV

Gewinnrendite im S&P 500 Index

Von der Bewertungsseite der Indizes (des Marktes in seiner Breite) befinden wir uns gemessen an den 4 weitverbreiteten und allgemein angewandten Bewertungsindikatoren (Buffett Indikator, Shiller P/E, Tobin`s Q und Gewinnrendite im S&P 500) historisch im eher hoch bewerteten Bereich, wenn auch nicht auf den absoluten Höchstständen der Marktindizes.
Alle 4 Indikatoren deuten folglich auf einen insgesamt in seiner Breite teuer bewerteten Aktienmarkt hin (Einzelwerte sind hier in der Betrachtung ausgenommen und können natürlich abweichen). Konkret haben sich der Buffett Indikator und das Q-Ratio leicht nach oben bewegt und die Gewinnrendite sich leicht reduziert (Aktien haben sich demnach verteuert) während das Shiller KGV marginal gesunken ist (Aktien haben sich verbilligt). Alles in allem bleibt aber wenig Veränderung in der Grundaussage. Derweil ist die verbreitete Stimmung aus den Medien (Titelseiten) weiterhin pessimistisch wobei der Fokus auf Konflikt und Krieg gerichtet ist (Ukraine-Russland / China – Taiwan / Israel – Hamas).
Kapitel III.3 13F Reports
13 F Reports aus dem Q2/2023 (konzentrierte Portfolien: TOP 5 Positionen)

Insgesamt betrachtet wurde Big Tech (z.B. MSFT, Nvidia) im Q2/2023 weiter aufgestockt während aber auch vereinzelt Tech Titel reduziert und Gewinne realisiert wurden. Reduziert haben beispielsweise Lone Pine und Baupost Group (Seth Klarman) während Duquesne (Stanley Druckmiller) und Appaloosa (David Tepper) weiter fleissig aufgestockt haben. Auffällig ist das David Tepper erstmals seit längerer zeit wieder in China zugegriffen hat. So hat es Alibaba auf einen Schlag in die Top 5 seines Portfolios geschafft.
Als TOP Positionen findet man weiterhin die Big Tech Unternehmen (MFST, GOOG, AMZN, Nvidia, Meta) in den konzentrierten Portfolien renommierter „Super-Investoren“ (mit langfristig starkem Track Record) übergewichtet. Auffällig ist die Überzeugung von David Tepper und Stanley Druckenmiller die beide ihre Top Position Nvidia trotz bereits starkem Anstieg (man kann hier bereits ansatzweise von euphorischer Stimmung sprechen, welche sich ausbildet) und fundamental sehr hoher Bewertung weiter aufgestockt haben. Beide Investoren sind dafür bekannt einen Trend bis zum Ende voll auszureizen und das positive Sentiment zu nutzen. Es scheint dass hier noch einige positive Überraschungen erwartet werden. Auch zu erwähnen ist das Engagement von Bill Ackman der sein Portfolio in aller Regel auf traditionelle Branchen / Unternehmen aus dem Konsumgütersegment konzentriert. Ackman mit seiner börsennotierten Investmentgesellschaft Pershing Square hat erstmals bei Alphabet dem Mutterkonzern von Google eine Top 5 Position aus dem Technologiebereich aufgenommen. Ein Ende der Dominanz der grossen Technologie Aktien ist aus dem Verhalten der Grossinvestoren nicht zu erkennen.
Kapitel IV: Währungen, Krypto und Edelmetalle
EUR/USD

Der Wechselkurs der 2 größten Weltwährungen EUR und USD befindet sich unverändert seit 2008 in einem übergeordneten Abwärtstrend, wo der USD gegenüber dem Euro nachhaltig aufwertet. Eine Trendumkehr ist nicht zu erkennen, was u.a. durch das Zinsdifferential der beiden Währungsräume fundamental begründet werden kann. Ebenso spiegelt das Währungspaar auch die unterschiedlichen Wachstumsraten im BIP wieder, wo zweifelsfrei die USA die stärkere Konjunktur und besseren Aussichten haben. Während in Euroland die Wirtschaft stagniert wächst das amerikanische Pendant um ca. 2% p.a. Nachdem der Wechselkurs bei EUR/USD 1,10 den letzten Hochpunkt im übergeordneten Abwärtstrend verzeichnet hat, ist dieser Trend seitdem wieder im vollen Gange.
Bitcoin/USD

Der Bitcoin hat Ende 2022 seinen letzten Tiefpunkt markiert bei ca. BTC/USD 16.000. Seitdem korrigiert das Währungspaar aufwärts und konnte bei BTC/USD 30.000 zuletzt einen temporären Hochpunkt ausmachen von wo an Gewinnmitnahmen einsetzten. Insgesamt scheint die Euphorie aktuell verfolgen. Der Bitcoin ist nicht mehr im Zentrum der Medien wie er es noch vor 2 Jahren war bei seinen Höchstständen um knapp BTC/USD 70.000. Auch erkennbar ist, dass die sonst sehr hohe Volatilität abgenommen hat sowie das Handelsvolumen signifikant zurückgegangen ist. Blackrock – der weltweit grösste Vermögensverwalter – hat einen Bitcoin Spot ETF beantragt der aber noch auf eine finale SEC Genehmigung wartet. Hiermit könnte erneutes Interesse geweckt werden was zu Mittelzuflüssen bei Erfolg führen könnte.

Der Goldpreis notiert in einer engen Handelsrange nahe seiner historischen Höchststände von ca. 2.000,- USD/Feinunze. Trotz geopolitischer Unsicherheiten konnte der Preis bislang (seit Ausbruch der Pandemie) die Grenze von 2.000,- USD/Feinunze nicht nachhaltig überschreiten. Sollte es zu weiteren Spannungen im Konflikt Israel – Hamas bzw. auch zwischen China – Taiwan kommen wäre eine Fortsetzung des aufwärtsgerichteten Trends oberhalb von 2.000,- USD/Feinunze zu erwarten. Ebenso kann aber auch ein unerwartetes und unwahrscheinliches, aber folgenschweres Ereignis auf ökonomischer oder politischer Ebene als Katalysator dienen (ein sogenannter “schwarzer Schwan”).
Silber / USD

Der Silberpreis bleibt in seiner mittelfristigen Seitwärtsbewegung zwischen 15,- und 30,- USD/Feinunze.
Kapitel V: Rohstoffe und Energie
S&P GSCI Rohstoffindex

Niederlande Erdgas Spot Preis (TTF)

US Erdgas Spot Preis

Strompreis in DE Baseload Day Ahead

Baltic Dry Index

Der GSCI-Index, befindet sich aktuell immer noch in einem Abwärtstrend mit temporären Preisausschlägen nach oben, welche jedoch bislang immer wieder durch neue Tiefststände begleitet wurden. Jüngst hat eine Aufwärtsbewegung eingesetzt welche zunächst das Level von 4.000,- USD nachhaltig durchbrechen müsste bevor man von einen neuem säkularen Preistrend mit weitersteigenden Preisen sprechen könnte. Ein nachhaltiges Überschreiten dieser Marke würde sicherlich auch erneute Inflationssorgen hervorrufen. Auf den Energiemärkten in Europa (Strom und Gas) zeigt sich, dass das Preisniveau in beiden Rohstoffen über den Sommer hinweg einen Boden gefunden hat, der sich auch nachhaltig ausbilden konnte. Da sowohl Strom als auch Gas insbesondere in Deutschland saisonal beeinflusst werden ist auch von einer anziehenden Nachfrage für die kommenden 2 Quartale (Winterperiode – Q423 und Q124) zu rechnen was wiederum zu Preissprüngen führen kann. Nichtsdestotrotz sind die Gaslager in Deutschland fast komplett gefüllt was sich auf einen kalten Winter preismildernd auswirken sollte. Wie sich die Versorgungslage vor dem Hintergrund des immer noch andauernden Krieges zwischen Russland und Ukraine entwickelt bleibt abzuwarten und eine unbekannte. Auch der Baltic Dry Index (die globale Benchmark für Frachtraten und ein guter Indikator für den Welthandel) notiert auf niedrigem Niveau in einer langfristigen Range zwischen 1.000,- USD und 2.000,- USD, welche erst mit nachhaltig höheren Notierungen >2.000,- USD verlassen würde. Ein Ausbruch aus dieser Range nach oben wäre beispielsweise durch eine Eskalation des Nahost Konfliktes denkbar, wo wichtige Rohstoffe wie beispielsweise das Rohöl logistisch betroffen sein könnten, da wichtige Frachtrouten sich in dieser Region befinden. Das könnte die Nachfrage nach Frachtraten preislich temporär positiv beeinflussen und auch so wiederum die Transportkosten in die Höhe treiben die letztlich als Konsequenz in den Inflationsraten wiederzufinden sein werden.
Rohölsorte Brent

Kupferpreis

EU CO2 Zertifikate

Uranpreis

Der Preis für die Ölsorte Brent (Rohöl) konnte sich nach einer Abwärtskorrektur wieder erholen. Zuletzt kam es durch den Nahostkonflikt zwischen Israel und der Hamas erneut zu Spannungen die u.a. auch arabische Nachbarn (noch) mit in den Konflikt einbeziehen könnten (z.B. den Iran). Das ist zum heutigen Tage jedoch noch nicht bestätigt, hat jedoch Angst an den Rohölmärkten ausgelöst und zu einem Preisanstieg geführt, da potentiell bei einer geographischen Ausdehnung des Konflikts die Ölversorgung in der Region betroffen werden könnte. Gleichzeitig befindet sich die strategische Rohölreserve der USA auf einem historisch niedrigen Stand womit ein Ausgleich des Marktes durch zusätzliches Angebot im Falle einer temporären Verknappung im nahen Osten nicht ausreichend wäre. Da viele internationale Interessen hier mit einer Gewährleistung einer sicheren Versorgungslage und Logistik beim Rohöln verbunden ist, besteht die Hoffnung, dass der Nahost-Konflikt weitestgehend eingedämmt bleibt und sich insbesondere nicht wesentlich ausdehnt.
Der Uranpreis wertet nachhaltig weiter auf und man kann hier von einem klaren Preistrend sprechen der sich seit dem letzten Quartal fortgesetzt hat. Wie bereits besprochen gibt es hier viele fundamentale Gründe die diesen Preistrend rechtfertigen. Hinzukommt das mittlerweile auch Italien offen darüber spricht neue Nuklearkraftwerke zu bauen womit die Nachfrage nach Uran nochmals Rückenwind erhalten würde. Dies wäre eine bedeutsame energiepolitische Wende in diesem Land weil es den Wiedereinstieg in die Atomenergie bedeuten würde (zumindest für Italien). Andere europäische Länder könnten dem folgen.
Der europäische Preis für CO2 Zertifikate ist ebenso in einem klaren Aufwärtstrend, der ungebrochen scheint und von der anhaltenden EU Klimapolitik nachhaltig stark unterstützt wird.
Der Kupferpreis als sehr guter Indikator für die Weltwirtschaft (u.a. auch die Nachfrage aus China) zeigt sich demgegenüber über die letzten Monate in einer Korrekturbewegung. Übergeordnert ist aber auch dieser Rohstoffmarkt durch fundamentalen Rückwind getrieben. Es bleibt abzuwarten auf welchem Preisniveau der Kupferpreis einen Boden findet. Da zuletzt aus China eher schlechte ökonomische Daten kamen die auf eine Abschwächung hindeuten ist die Korrektur auch nachzuvollziehen da China ein wesentlicher Motor für die Nachfrage nach diesem Basismetall ist.
Kapitel VI: Sentiment
COT (Commitment of Traders Report) der CFTC S&P 500 speculative net postions

CBOE Total Put/Call Ratio

Marginkredite versus S&P 500

Die seit Anfang 2022 rückläufigen Volumina an Kreditfinanzierten Aktienkäufe konnten insbesondere im Q3/2023 wieder zunehmen was auch einherging mit steigenden Kursen im S&P 500 (eine Korrelation die über die Jahre hinweg grafisch erkennbar ist und auch logisch nachvollziehbar, da mit zusätzlichen Krediten Liquidität und Nachfrage geschaffen wird). Aktuell befinden sich jedoch absolut betrachtet die kreditfinanzierten Aktienkäufe in den USA auf dem Niveau von 2015/16 wie auch kurz nach Ausbruch der Corona Pandemie Anfang 2020. Allgemein ist folglich noch einiger Spielraum nach oben für kreditfinanzierte Aktienkäufe gegeben welche jedoch Gegenwind haben vom aktuell höheren Zinsniveau welches eine reale alternative Anlageform mit Anleihen im aktuellen Umfeld bietet wo Renditen von ca. 5% bei US Staatsanleihen im 2 Jahressegment zu bekommen sind. Ebenso sind Marginkredite auch aktuell nicht mehr so günstig wie vor wenigen Jahren da auch hier das erhöhte Zinsniveau voll durchgeschlagen ist. Eine erneute Befeuerung durch sinkende Zinsen liegt wie weiter oben beschrieben aktuell nicht auf der Agenda der Zentralbanken weshalb das Potential kreditfinanzierter Liquidität unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht nachhaltig erscheint.
Nach der jüngsten Umfrage unter Fondsmanagern der Bank of America sind die Investmentprofis aktuell nicht mehr so “bearish” eingestellt wie noch im Quartal zuvor. Der Marktkonsens ist, dass die erwartete Rezession eher mild als hart verlaufen wird und auf absehbare Zeit eine Rezession wieder sinkende Zinsen zur Folge haben wird. Als Konsequenz haben die Fondsmanger die letzten Monate wieder ihre Cashquote reduziert sind aber noch weit davon entfernt unisono “Bullish” gestimmt zu sein. Am negativsten sind die Profianleger derweil nach wie vor auf China eingestellt wo sie sich mit Engagements u.a. aufgrund von Problemen auf dem chinesischen Immobilienmarkt zurückhalten.
Am Derivatemarkte hat sich das Bild gleichzeitig verändert, ist aber nach wie vor uneinheitlich: bei den Futures sieht man aktuell dass die im Vorquartal historisch extreme „Nettoshortposition“ auf den S&P 500 (s. Committment of Traders Report), signifikant abgebaut wurde. Andererseits befindet bei Optionen die „Put/Call Ratio“ aktuell im “Bearishen” Bereich Ihrer historischen Spanne und notiert derweil bei ca 1,15 was bedeutet, dass das Call Volumen < dem Put Volumen ist, was aktuell auf ein pessimistisches („Bearishes“) oder angstvolles Sentiment hindeutet, da mehr Nachfrage nach Absicherungen auf fallende Kurse besteht. Alles in allem ist das Sentiment aus diesen Indikatoren weiter negativ bis bestenfalls neutral zu werten. Von Optimismus oder Euphoria fehlt jede Spur.
CNN Fear and Greed Index

Der CNN Fear and Greed Index (wo sowohl der VIX wie auch die „Put/Call Ratio“ Einfluss nehmen) zeigt aktuell einen Status bei „Angst“. Vor wenigen Wochen lag dieser Indikator sogar im Bereich “Extreme Angst” wo wir auch den letzten Tiefpunkt in den Aktienindizes ausmachen konnten. Auch dieser Indikator deutet auf eine schlechte Stimmung hin. Aus antizyklischer Sicht sicherlich kein schlechtes Umfeld (Timing) sich in fundamental fair bewerteten Aktien zu engagieren bzw. hier genauer hinzublicken.
Volatility Index (VIX)

Der VIX befindet sich mit einem Wert von ca. 17% historisch im niedrigen Bereich, was entgegen der Angst aus dem Fear & Greed Index tendenziell auf Zuversicht der Marktteilnehmer hindeutet.
US Manufacturing PMI (Einkaufsmanagerindex)

US Consumer Confidence (Konsumentenvertrauen)

China Manufacturing PMI (Einkaufsmanagerindex)

China Consumer Confidence (Konsumentenvertrauen)

Euro Area Manufacturing PMI (Einkaufsmanagerindex)

Euro Area Consumer Confidence (Konsumentenvertrauen)

Die Einkaufsmanagerindizes wie auch das Konsumentenvertrauen in allen 3 geographischen Regionen (USA / Euroland / China) zeigt nach wie vor ein schwaches Bild. Während die Einkaufmanagerindizes in den USA und China zumindest seitwärts um den Wert von 50 tendieren sieht es in Euroland nochmals schlechter aus. Ein Wert > 50 deutet auf Wachstum hin während ein Wert < 50 eine Schrumpfung der Wirtschaft impliziert. Euroland scheint vom Vertrauen der Einkaufsmanager als auch Konsumenten am negativsten betroffen, da hier der Wert klar unter 50 notiert und im Fallen sich befindet. Das Konsumentenvertrauen ist durchgehend schwach und zeigt auch wenig Aussicht auf eine Trendwende dieser Sentimentindikatoren zum aktuellen Zeitpunkt. Ob und in welchem Ausmass sich daraus evtl. eine selbsterfüllende Prophezeiung ableitet bleibt abzuwarten. Die Wahrscheinlichkeit scheint mit fortschreitender Zeit allerdings zuzunehmen.
Wann eine Rezession eintritt ist jedoch kaum seriös und verlässlich zu prognostizieren. Ebenso ist auch das Ausmass schwer abzusehen. Der Konsens jedenfalls stellt sich eher auf einen milden Verlauf ein. Sollte dies dann auch so eintreten wäre ein solches Ereignis sicherlich in den heutigen Preisen bereits weitestgehend antizipiert.




