Berkshire Hathaway’s Aktionärsbrief 2023

Berkshire Hathaway’s aktionärsbrief 2023

Tribut an Charlie Munger

Im Jahr 1959 begegnete Warren Buffett seinem (anschließend) langjährigen Freund, Mentor und Geschäftspartner Charlie Munger, der seither eine prägende Rolle in der Entwicklung von Buffett’s Investmentphilosophie spielte. Ursprünglich konzentrierte sich Buffett, inspiriert durch seinen Altmentor Benjamin Graham, auf den Kauf guter Unternehmen zu ausgezeichneten Preisen, um sie nach einer Annäherung an ihren intrinsischen Wert wieder zu veräußern. Eine verlässliche Methode die allerdings nach Munger’s Ansicht nur für kleinere Investitionssummen anwendbar war. Munger veranlasste folglich eine signifikante Wendung in dieser Investmentphilosophie, indem er Buffett dazu riet, sich auf den Erwerb hervorragender Unternehmen zu fairen Preisen zu fokussieren, die langfristig gehalten werden und durch stetige Reinvestition von Gewinnen (zu attraktiven Kapitalrenditen) über den Effekt des Zinseszinses nachhaltig Vermögen aufbauen. Diese Methode, geprägt durch geduldiges und großvolumiges Investieren, erwies sich als Schlüssel zum Wachstum und Erfolg für Berkshire Hathaway. Buffett zollt Munger in seinem Aktionärsbrief 2023 aussergewöhnlichenTribut und betont dessen Weisheit und Einfluss auf seine Entscheidungsfindung die er bis heute beherzigt. Buffett beschreibt Munger als den „Architekten“ von Berkshire Hathaway, während er sich als „Manager“ des Tagesgeschäfts betrachtet der für die Umsetzung dieser Vision und Investmentstrategie verantwortlich ist.

Differenzierung zwischen Nettogewinn und operativem Gewinn

Buffett erläutert die Bedeutung zwischen dem Nettogewinn und operativem Gewinn bei der Bewertung von Berkshire Hathaways Geschäftserfolg zu unterscheiden. Der operative Gewinn bietet aus seiner Sicht eine wesentlich aussagekräftigere Basis zur Beurteilung von Berkshire Hathaway‘s Erfolg, da er die nicht realisierten Kapitalgewinne-/ oder verluste (die von Natur aus sehr volatil sind) exkludiert. Um die Bedeutung der nicht realisierten Kapitalgewinne zu zeigen zitiert er seinen Altmentor Benjamin Graham: „In der kurzen Frist ist der Markt eine Stimmungsbarometer und langfristig eine Waage.“

Folglich sollte man kurzfristigen Launen des Marktes wenig Bedeutung beimessen sondern vielmehr den Blick auf die lange Frist legen, wo die fundamentalen Kräfte des Marktes sich immer durchsetzen. Dieser Ansatz lenkt somit auch den Blick der Aktionäre auf den operativen Gewinn von Berkshire Hathaway was den generellen den Bewertungsansatz von Buffett und Munger widerspiegelt, der in erster Linie auf stetigen Gewinnen (nach Steuern und Abschreibungen) und realisierten Cashflows der eigenen Beteiligungen beruht.

So betrug der Nettogewinn 2021: +90 Milliarden USD, 2022 -23 Milliarden USD und 2023: +96 Milliarden USD, während der operative Gewinn 2021: 27,6 Milliarden USD, 2022 30,9 Milliarden USD und 2023: 37,4 Milliarden USD betrug.

Berkshire’s strategische Einnahmequelle und langfristiger Vorteil

Buffett beschreibt das vorrangige Ziel von Berkshire Hathaway, fundamental und nachhaltig starke (profitabel wachsende) Unternehmen mit Wettbewerbsvorteil ganz oder teilweise zu erwerben und langfristig zu besitzen. Diese Firmen müssen in der Lage sein, zusätzliches Kapital zu attraktiven Kapitalrenditen im eigenen Unternehmen zu re-investieren. Dabei legt er zugleich besonderen Wert auf ein vertrauenswürdiges und kompetentes Management, das den langfristigen Erfolg der Investitionen sichert.

Warren Buffett hebt die Vorteile hervor, die Berkshire Hathaway (BH) besitzt und regelmäßig nutzt. Dabei betont er, dass der Markt oder die Wirtschaft die Bewertung von fundamental starken Unternehmen über die Zeit immer wieder verzerrt, was zu temporären Fehlbewertungen führt, die BH gezielt, entschieden und schnell ausnutzt. Er führt historische Beispiele an, wie etwa die Jahre 1914 und 2001, in denen der Markt aufgrund von Panikreaktionen der Marktteilnehmer sogar kurzzeitig komplett zum Erliegen kam bzw. der Handel geschlossen wurde. Heutzutage können sich Panikreaktionen durch die Geschwindigkeit der Technologie und Kommunikationswege des Internets, insbesondere über soziale Netzwerke, noch schneller verbreiten als in der Vergangenheit. Der Markt ist, wie auch in vergangenen Jahrzehnten, emotional instabil – eine Eigenschaft, die tief in der menschlichen Natur verankert zu sein scheint. Marktteilnehmer neigen dazu, den Aktienmarkt als ein großes Casino zu betrachten, das man heutzutage fast ohne jede Barriere von zu Hause aus betreten kann. Ebenso leicht werden auch täglich durch stetige Informationsüberflutung falsche Anreize gesetzt, die man von einer demütigen Distanz betrachten und beurteilen sollte.

Buffett kritisiert in diesem Kontext die „Casinomentalität“ insbesondere unerfahrener Marktteilnehmer und betont, dass die „Wall Street“ mit ihrer medialen Präsenz übermäßigen Handel (Aktivismus) fördert, von dem sie durch häufige Umsätze (Kauf und Verkauf) profitiert. Im Gegensatz dazu agiert BH konträr zu dieser Haltung, setzt auf Geduld und wenig Aktivismus, was dazu führt, dass sich in den Top 5 der Beteiligungen seit Jahrzehnten wenig verändert hat. Buffett vertraut auf etablierte Unternehmen wie American Express, das es seit 1850 gibt, und Coca-Cola, bestehend seit 1886. An diesen Beteiligungen hält er fest, da die Dominanz ihrer Geschäftsmodelle kontinuierliche Gewinne und Dividendensteigerungen gewährleistet. Trotz Fehltritten beider Unternehmen bei Versuchen, sich in Geschäftsfeldern außerhalb ihres Kernbereichs zu etablieren, was regelmäßig scheiterte, bleibt das Kerngeschäft aufgrund eines nachhaltigen „Burggrabens“ nahezu unangreifbar.

Indem beide Unternehmen konstant und über Jahre eigene Aktien zurückkaufen, ist zugleich der Anteil von BH stetig gestiegen. Buffett merkt an, dass Aktienrückkäufe nur dann sinnvoll sind, wenn die eigenen Aktien unter ihrem intrinsischen Wert notieren. Solch exzellente Unternehmen zahlen Dividenden und steigen Ihre Gewinne Jahr für Jahr, die BH gewinnbringend in andere Unternehmen re-investiert. Geduld ist für Buffett ein entscheidender Vorteil beim langfristigen Investieren. Deshalb hält BH immer einen signifikanten Cashanteil bereit (der aktuell bei einem Rekordwert von ~168 Milliarden USD liegt), um bei guten Gelegenheiten opportunistisch zuschlagen zu können. Dieser Cashanteil dient zugleich als Versicherung für unerwartete Rückschläge oder Ereignisse im eigenen Versicherungs-/ bzw. Rückversicherungsgeschäft, in dem BH sehr erfolgreich ist. Da Berkshire’s Geschäft stetig wächst steigt zugleich auch die Erfordernis den Cashanteil auszubauen. Erstmals seit Jahren erhält BH auch wieder einen auskömmlichen Zins für gehaltene Staatsanleihen (die zur Cashreserve zählen) und das Ergebnis positiv beeinflussen. Buffetts’s konservativer Ansatz spiegel sich zugleich in seinem antizyklischen Verhalten im Jahr 2023 wieder, wo er die Marktbeteiligungen von BH um 24,1 Milliarden USD reduziert hat. So hat er 40,6 Milliarden USD Aktienbestand verkauft und insgesamt nur 16,5 Milliarden USD Aktien erworben, was den Rückkauf eigener Aktien bereits inkludiert. Sein Verhalten zeigt seine vorsichtige Haltung gegenüber Marktkorrekturen auf dem aktuellen Preisniveau (wo die großen Aktienindizes ein Allzeithoch nach dem anderen machen), was seine Äußerung untermauert, aktuell keine attraktiven Investitionen im größeren Rahmen zu finden (wie Sie BH bekanntlich sucht mit einem Cashpolster von ~168 Mrd. USD).

Buffett verfolgt grundsätzlich eine konservative Strategie, deren oberstes Prinzip es ist, permanente Verluste zu vermeiden. Seine (bescheidene) Ambition ist es, im Leben „eine Hand voll“ wirklich guter Entscheidungen zu treffen. Hier meint er den Kauf von herausragenden („wundervollen“) Unternehmen wie Munger sie bezeichnet, zu fairen Preisen. Dieser Ansatz ist seiner Meinung nach ausreichend, um unvorstellbare Reichtümer über die exponentiellen Kräfte des ZinsesZins Effektes („compounding“) zu erlangen. Es geht gleichzeitig darum, große Fehler zu vermeiden. Während großartige Investitionsmöglichkeiten selten sind, müssen große Fehler – wie der Totalverlust des Kapitals – aufgrund täglicher Reizüberflutung und Verlockungen der Medien unter allen Umständen vermieden werden. BH betreibt keine Prognosen oder Vorhersagen bezüglich der Marktentwicklung, sondern fokussiert sich ausschließlich darauf bestmöglich vorbereitet zu sein, Opportunitäten zu nutzen, die sich durch Panik oder Schieflagen unvorsichtiger und ungeduldiger Marktteilnehmer im Laufe der Jahre (im Schnitt alle 10 Jahre) ergeben.

Zwei aktuelle strategische Langzeitinvestitionen

Zum Ende des Jahres 2023 hält Berkshire Hathaway (BH) knapp 28 % an Occidental Petroleum und verfügt zudem über Call-Optionen, um in Zukunft weitere Anteile zu erwerben. Eine vollständige Übernahme schließt er aber aus. Warren Buffett ist überzeugt, dass die Stärke von Occidental Petroleum in den umfangreichen Öl- und Gasreserven in den USA liegt, die einen strategischen Vorteil (Burggraben) darstellen. Dies sichert nicht nur die amerikanische Unabhängigkeit von ausländischen Öl- und Gasquellen, sondern ist auch für die Gewinne von Occidental Petroleum, die Preisgestaltung und Lieferstabilität essenziell – sowohl für die US-Wirtschaft als auch für deren internationale Handelspartner. Darüber hinaus ist Occidental Petroleum führend in der Technologie zur CO2-Abscheidung („Carbon Capture“), was den CO2-Ausstoß begrenzt und somit im Einklang mit zeitgemäßen und nachhaltigen Klimapolitikzielen steht. Buffett hebt die Qualitäten von CEO Vicky Hollub hervor, die seiner Meinung nach sowohl im Interesse der Aktionäre von Occidental Petroleum als auch der USA handelt.

Zusätzlich hat BH in fünf der größten japanischen Handelshäuser investiert, die ähnlich diversifiziert sind wie BH selbst und ein konservatives, vertrauenswürdiges und zuverlässiges Management aufweisen. Für diese Investitionen setzte BH so gut wie kein Eigenkapital ein, sondern finanzierte sich über eine Yen-Anleihe mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Yen zu einem sehr niedrigen Zinssatz. Das Kapital wurde dann zu höheren Dividenden in diese Unternehmen zu niedrigen Preisen (Bewertungen) investiert. Neben der Wertsteigerung der Aktien profitierte BH auch von der anhaltenden Abwertung des Yen, was zusätzliche (nicht realisierte) Währungsgewinne erbracht hat. Ein weiteres Merkmal dieser japanischen Unternehmen ist ihre Disziplin, keine neuen Aktien auszugeben, was eine Verwässerung für die Altaktionäre verhindert. BH betrachtet die fünf Unternehmen als langfristige Partner, denen bei Bedarf jederzeit weiteres Kapital zur Verfügung gestellt werden könnte. BH hat jedoch versprochen, den Anteil an jedem einzelenen der 5 Unternehmen nicht über eine Schwelle von 10 % auszubauen. Derzeit hält BH ~9% an jedem der fünf Unternehmen – Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo.

Branchenspezifische Herausforderungen und Chancen

Schließlich thematisiert Buffett Schwächen im Schienenverkehr- und Energieversorgersektor im Jahr 2023, betont aber deren essenzielle Bedeutung für die Infrastruktur und Effizienz in Nordamerika. So belasteten im vergangenen Jahr insbesondere Lohnsteigerungen (die wesentlich staatlich gelenkt werden und weit über dem Inflationsziel lagen) im Schienensektor das Ergebnis, welches zusätzlich von einem gesunkenen Umsatz betroffen war. Im Energieversorgersektor der in einigen US Staaten staatlich reguliert ist, was die Profitabilität sehr einschränken kann. Zudem kam es zu Schäden die im Zusammenhang mit Waldbränden entstanden sind und für BH heute im Ausmaß noch nicht abschätzbar sind. Trotz der Schwierigkeiten (die größtenteils nicht kontrolliert werden können) unterstreicht Buffett die Wichtigkeit und das Engagement von Berkshire Hathaway, in diese für die US amerikanische Infrastruktur essentiellen Sektoren auch weiter investiert zu bleiben und sie im Hinblick auf eine nachhaltige und effiziente Zukunft weiterzuentwickeln (jedoch stets mit ökonomischem Bedacht, was als „dezenter“ Hinweis an die Regulatoren und staatlichen Organisationen zu werten ist die hier Einfluss nehmen).

Ein anderer Bereich aus dem Berkshire Portfolio, der im Jahr 2023 besonders stark war (und für die sehr gute Diversifikation des Konglomerats spricht), ist das Geschäft mit Gebäudeversicherungen, bei dem die Prämien im Zuge der hohen Inflation angestiegen sind und zu weiteren Einnahmen und Float geführt haben. Dieses Geschäftsfeld zeichnet sich durch eine geringe Konjunktursensibilität aus und stellt eine zentrale Einnahmequelle für Berkshire Hathaway dar. Warren Buffett hebt die Qualität von Ajit Jain hervor, der seit 1986 für dieses Segment verantwortlich ist.

FAZIT 

Wie jedes Jahr präsentiert Warren Buffett seinen Aktionären einen Überblick zu den Ereignissen des vergangenen Jahres wo er immer wieder seine zeitlosen Investmentphilosophien und Strategien transparent aufzeigt und verdeutlicht. Wer den jüngsten Geschäftsbericht zum Jahr 2023 im Detail nachlesen möchte, kann dies über den Link machen. Hier gibt es noch viele weitere Details und Hinweise auf die Denk-/ und Handlungsweise von Warren Buffett und allgemein die Investitionen von Berkshire Hathaway.

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